Eine Schlange, ein von der anrollenden Erntemaschine vor Schreck erstarrter Fuchs, Frösche, Fische, Gräser, Bäume, Giftfläschchen, Männer, Frauen, Fahrradräder, Eberhoden, Treibriemen, Nähnadeln, Jagdflieger. Der Mensch ist nicht mehr als die Spitze der Nahrungskette, inmitten eines Dorf genannten Rahmens. (Pálfi ist) ein Erzähler, für den die Sprache Geräusch wie das Gackern von Hühnern, Grunzen von Schweinen ist…
Pálfi ist der Regisseur der Kuriositäten, des Sonderbaren. Sein zweiter abendfüllender Spielfilm, Taxidermia, ist die mit brutalen Ekel erzählte Geschichte unserer Vergangenheit, die wie eine Flechse in die Gegenwart reicht.” Soviel aus der natürlich noch viel ausführlicheren Begründung des Schriftstellers Vilmos Csaplár, dem Aegon-Kunstpreisträger 2010, der für den ’kleinen’ den Partner-Kunstpreis den Filmemacher György Pálfi vorgeschlagen hat.Der von der Versicherungsgesellschaft Aegon 2006 gestiftete Kunstpreis wird jährlich an einen Schriftsteller verliehen, der im vorausgegangenen Jahr ein Belletristikwerk veröffentlichte, das als besonders bedeutend eingestuft wird. Die bisherigen Preisträger, die Schriftsteller György Spiró, Zsuzsa Rakovszky, János Térey, Tamás Jónás und Vilmos Csaplár hatten die ehrenvolle Aufgabe, bis zum Herbst – der Hauptpreis wird immer im Frühjahr verliehen – einen Künstler aus jedwedem anderen Bereich für den Partnerpreis vorzuschlagen.
Über literarische Werke zu schreiben, die womöglich nicht in Fremdsprachen übertragen wurden, ist schwierig. Viel leichter hat es die Verfasserin dieser Zeilen, eine filmische Welt zu skizzieren, von der sie selbst überwältigt ist und die auch im Ausland bekannt und gelobt ist. Wie schon die paar Zeilen aus der Laudatio andeuten, entführt György Pálfi die Zuschauer in eine sürreale Welt, wo einfach alles möglich ist. Die Akteure, vor allem in Taxidermia, sind opulente, groteske Gestalten, wie man sie aus Fellinis oder Fassbinders Filmen kennt, die man mag oder ablehnt. Alles ist möglich. Man kann das Kino angeekelt verlassen, aber auch fasziniert, ja sogar konsterniert wie angenagelt sitzen bleiben. Taxidermia. 2005, sorgte in Cannes für Aufsehen, holte sich nicht nur auf der Ungarischen Filmschau Preise, sondern auch auf den Filmfestivals in Brüssel, Chicago, Oporto, Tallinn und die Aufzählung könnte beliebig fortgeführt werden.
Der Aegon-Partnerkunstpreis wird am 21. Oktober im Rahmen der Programmreihe Museum+ im Museum der Bildenden Künste in Budapest übergeben. Mit der Wahl des Schauplatzes wird die Richtung angedeutet, in die die Stifter die Preisverleihung lenken wollen: Visualität. Was sich dahinter verbirgt, wie die Künste miteinander verbunden werden sollen, wird der Aegon-Kunstpreis 2011 zeigen.

