Diszel: Ruine der ehemaligen Sztankovics-MühleSo ist auch die Mühle von Diszel, der Gemeinde mit 825 Einwohnern, nur ein wenig Museum, nur ein wenig Galerie, am ehesten eine Erinnerungs-, Erlebnissammlung, womit der sperrige ungarische Name erklärt, aber nicht übersetzt werden kann. Látvány ist das, was man sieht, man könnte übertrieben sagen, eine Augenweide und ’tár’ entspricht dem deutschen ’thek’, wie in Bibliothek. Ein echtes Hungarikum dieser Begriff, wie mir seitens Kunsthistorkern versichert wurde. Betrieben wird diese Kultur-Mühle von einer Stiftung, die von dem Sammler Ákos Vörösváry geleitet wird.

1990 erwarben vier Ehepaare die Mühlenruine und rekonstruierten sie, bauten sie zu dem auf, was sie heute ist: ein Hort der Kultur und Kunst. 1997 wurde die erste Ausstellung eröffnet, und seither alljährlich eine neue thematische Erinnerungsschau. Am letzten Samstag im Juni ist es wieder soweit. Und das Thema lautet WEISS, die Farbe weiß.

Erinnerungs- und Erlebnissammlung in Diszel; Gründer Ákos Vörösváry. (Foto: nol.hu)Bis Ende Mai kann allerdings die Schau 2014-2015 besichtigt werden: Für Götter, Könige, Vaterland! Der Große Krieg, der Erste Weltkrieg. Alles, was thematisch dazugehört wurde gesammelt, als Leihgabe in Anspruch genommen, Kunstwerke, Plakate, Bücher, Münzen, Medaillen, Photographien, literarische Beiträge bekannter ungarischer Dichter und Schriftsteller, Gegenstände des täglichen Gebrauchs, Aschenbecher, Beinprothesen und auch Präservative usw., einfach alles.

Der Besucher taucht in eine fremde Welt, in vergangene Zeiten ein. Er wird sich der Vergänglichkeit bewusst. Er ist nicht im Museum, wo er von einem Gemälde zum anderen geht, Titel, Untertitel und Erklärungen  liest, womöglich davon bald müde wird. Alles, was ausgestellt ist, regt zum Nachdenken an, so wird es auch mit der Farbe WEISS sein.

Was kann denn da ausgestellt werden? Weiße, kahle Wände?  Nein, Ákos Vörösváry wollte nicht mehr verraten, als dass es viele weiße Gegenstände gibt, Porzellan, Skulpturen, Bilder, Objekte aus Emaillle…

Unter www.latvanytar.com möge sich jeder informieren.  Wenn Feriengäste mal eine Verschnaufpause vom Baden- und Sonnenbaden einlegen, es womöglich wolkenverhangen ist und auch noch regnet, dann könnte ein Abstecher nach Tapolca-Diszel der beste Zeitvertreib sein, ja nach Diszel in die Kultur-Mühle und nicht nur ins berühmte Höhlenbad von Tapolca.