Einen wichtigen Beitrag dazu leistet der junge internationale Strafrechtler Dr. Ádám Gellért, der in slowakischen (sprich von Kosice) und ungarischen Archiven das unsägliche Wirken des László Csatáry, Nr. 1 auf der Fahndungsliste des Simon Wiesenthal Centers, studierte und weiter forscht.
Wer dieser László Csatáry ist, kann in Wikipedia nachgelesen werden: 1915 geboren, trat er gegen Kriegsende seinen Dienst in Kosice (ungarisch Kassa, deutsch Kaschau) in der von Ungarn rückanektierten Slowakei an. Dort beging er die als Verbrechen gegen die Menschlichkeit in die Geschichte eingegangenen Greueltaten. Rechtzeitig, um nicht zur Verantwortung gezogen zu werden, verließ er nach Kriegsende Europa und erschlich sich mit gefälschter Identität die kanadische Staatsbürgerschaft. 1948 war er in der Tschechoslowakei in Abwesenheit als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt worden. Nach Aufdeckung seiner wahren Identität entzog ihm Kanada die Staatsbürgerschaft und Csatáry verließ freiwillig das Land, um nicht des Landes verwiesen zu werden. Er kehrte unbehelligt in die Altheimat, nach Ungarn, zurück: 1997, zur Zeit der sozialistisch-freidemokratischen Regierung. Behördenschlamperei, Desinteresse? Wer und wo wurde sein ungarischer Personalausweis ausgestellt? Das muss noch aufgedeckt werden.
Unbehelligt lebte László Csatáry bis ins Frühjahr 2012 in Budapest, bist ihn Reporter vom englischen Boulevardblatt The Sun, angesport vom Simon Wiesenthal Center, das sich schon im Herbst 2011 an die Budapester Staatsanwaltschaft gewendet hatte, in Budapest ausfindig machten. Seit dem 18. Juli befindet sich Csatáry unter Hausarrest.
Der Historiker Dr. László Csősz stellte einleitend zu den von Dr. Ádám Gellért präsentierten Forschungsergebnissen fest, dass, als der Holocaust eigentlich schon seinem Ende entgegenging, die Vernichtung der ungarischen Juden erst und das mit ungarischem Übereifer in Angriff genommen wurde. Ohne die ungarischen Kollaborateure hätte es Eichmann nicht so leicht geschafft. Im ungarischen Innenministerium saßen willfährige, zielstrebige Antisemiten. In nur 56 Tagen wurden die ungarischen Juden registriert, in Ghettos gepfercht, in nur weiteren 56 Tagen über 400 000 Juden aus der ungarischen Provinz nach Auschwitz verfrachtet.
Das Drehkreuz dieser Aktion war die ostslowakische Stadt Kosice, der Eisenbahnknotenpunkt, wo alle Züge Station machten. Am dortigen Polizeipräsidium war Dr. László Csatáry tätig und für die Judendeportierung zuständig. Er war Kommandant des Ghettos in der Stadt, anschließend der Ziegelbrennerei, von wo aus zwischen dem 15. Mai und 2. Juni 1944 11.839 Juden (anderen Quellen zufolge 15.707) in vier Transporten nach Auschwitz befördert wurden. Diese Zahlen recherchierte Dr. Ádám Gellért im Stadtarchiv Kosice. Er dokumentiert die Lebensbedingungen in der Ziegelbrennerei und die Tätigkeit des Kommandanten László Csatáry anhand von Verhandlungsprotokollen und Verhören in ungarischen und slowakischen Gerichtsverfahren sowie Zeugenaussagen wie z.B.:
In einem Fall sah ich, wie Csatáry ein Kind schlug. Er war ein Sadist, der die Menschen schlug. Ich protestierte, doch Csatáry replizierte: Wer herzkrank ist, braucht nicht in die Ziegelbrennerei zu kommen.”(Mihály Hernádi, Amtsarzt des Komitates, Verhandlungsprotokoll, 30. März 1946, Volksgericht.I.197/1946)
Als ein krankes Mädchen mit dem Gewehrkolben traktiert wurde, protestierte Blanka Volová: Dies wird sich rächen, Gott wird es Ihnen nicht vergessen. Der angesprochene Ordnungshüter führte die Frau zu Csatáry, wo Blanka Volová die Anschuldigung wiederholte. Csatárys Antwort: Dann führt sie ab und gebt ihr das, wofür sich der Herrgott tatsächlich rächen würde. Darauf wurde das Mächen in ein anderes Zimmer geführt. Sie musste ihren Rock ausziehen und wurde auf einem Diwan mit einem Gummiknüppel geschlagen. Es waren mindestens 18-20 Schläge. Auf Csatárys Befehl wurden auch ihre 60-jährige Mutter und ihre beiden Schwestern gefoltert. Dann mussten sich alle drei nackt ausziehen, sie wurden gefilzt, in den Keller, in Csatárys Büro gebracht, wo sie rechte Hand an linken Fuß gefesselt und stundenlang so gelassen wurden. (Aus der Zeugenaussage von Blanka Volová, Regionales Staatsarchiv, Kosice)
In den Dokumenten wird Csatáry als strenger, grausamer Folterer charakterisiert.
Es ist nun an der Staatsanwaltschaft und dann am Gericht auch die Dokumentation Dr. Ádám Gellérts in die Ermittlungen und Urteilsfindung einfließen zu lassen.
Dr. László Csatáry bezeichnete sich als unschuldig, er habe nur Befehle ausgeführt.

