Das spart Zeit, ist aber schade, weil sich jeder ein paar Stunden, noch besser ein paar Tage für die Entdeckung von Győr (Raab) nehmen sollte. – Die Gemeinplätze halten sich hartnäckig.

Győr, die Industriestadt. Mit ihren 130 000 Einwohnern war Győr schon zu frühen kapitalistischen und sozialistischen Zeiten ein Stützpfeiler der ungarischen Wirtschaft, sprich der Industrie, ist es in erste Linie dank Audi (seit 1993, 30 000 Arbeitsplätze, Arbeitslosigkeit 2%) auch heute. Győr ist aber mehr als nur Industriestadt und begnügt sich nicht nur mit dem Geschäftstourismus, den Ein-Tages-Abstechern. So registriert die Statistik gegenwärtig die Zwei-Tage-Touristen, Tendenz steigend und damit steigen auch die Nächtigungen an.
Was sollte der Gast denn in Győr unternehmen, um sich nicht zu langweilen? Hier einige Tipps.


Győr, die Stadt der Geschichte und Baudenkmäler. Der Spaziergang durch die City lohnt sich. In der Baross utca befindet sich auch das Besucherzentrum (Látogatóközpont/Tourinform Győr, Baross utca 21), wo sich jeder gründlich informieren kann, sollte er nicht mit präzisen Entdeckungszielen angereist sein. Solche unbedingten Ziele sind z.B. der Kapitelhügel (Káptalandomb) mit der Basilika, darin die Herme, der Reliquienschrein, mit Schädelknochen König Ladislaus des Heiligen oder das Altarbild mit der tränenden Madonna, ein Geschenk verfolgter, fliehender Iren, die auch heute an Saint Patrick’s Day nach Győr wallfahrten. Blutige Tränen weinte diese Muttergottes bislang nur einmal, eben an Saint Patrick, am 17. März 1697.

Das Weichbild der Stadt prägt die barocke Architektur. Mann/frau begebe sich auf den Széchenyi Platz und halte Umschau. Dort befindet sich auch die älteste Apotheke Ungarns, 1654 von Jesuiten eröffnet, die sowohl als Apotheke als auch als Apothekenmuseum funktioniert. Ein Kleinod in einer Vitrine ist die vom berühmten Arzt der Stadt Aladár Petz entwickelte (furchterregende!) Magennähmaschine. Den Platz flankieren schmucke Barockhäuser. In einer Nebengasse (Király utca) sollte man am Haus, wo Napoleon übernachtet hat, nicht achtlos vorüberschlendern, denn der Feldherr muss schlechte Laune gehabt haben (weshalb, ist nicht notiert worden). Gegenüber dem Fenster im erster Stock steckt die Eisenkugel, die er hinausgeschleudert haben soll.

Um historische Ereignisse ranken sich auch andere Legenden. So die vom krähenden Eisenhahn, denn der sollte erst krähen, wenn die Türken aus Győr vertrieben wurden, und das tat er, der eiserne Gockel 1598, vier Jahre nachdem sie die Stadt eingenommen hatten. Wie das die listigen Kräher bewerkstelligten? Mann/frau forsche nach.

Győr, die Stadt der 4 Flüsse und des Sports. Auf Mosoner Donau, Raab, Marcal und Rabnitz war Wassersport schon immer angesagt. Mit einem Bürgermeister, wie dem gegenwärtigen, kann das vertieft werden: Zsolt Borkai, Oplympiasieger auf dem Seitenpferd 1988, Mitglied, bzw. Vorsitzender des Ungarischen Olympischen Komitees und anderer Sportverbände. 1% des Haushaltes der Stadt fließt in den Sport, gezielt auch Sporttourismus. Durch Győr führt die EuroVelo-Straße. 2017 findet in Győr EYOF, das Olympia-Festival der Europäischen Jugend, statt. 3 600 junge Sportler zwischen 14 und 18 werden im Juli des nächsten Jahres ihre Kräfte und Fertigkeiten in 10 Disziplinen unter Beweis stellen.

Győr, die Festivalstadt. Jeder findet in Győr das Programm seines Gustos, vom Korbflechterwochenende oder den irisch–ungarischen Tagen Anfang Juli über den Tag der Legenden nebst 12. Győrer Fröccs-, d.h. Gespritzen Tagen (15.-17. Juli am Széchenyi tér) bis zum Sommerabend-Konzert Habana Social Club (30. Juli am Dunakapu tér); dieser ist größer und moderner als der traditionelle Veranstaltungsplatz, der Széchenyi tér und den 9. Győrer Weintagen Ende August.
Győr, das schon im römischen Pannonien als Arrabona die wichtige Handelsstraße zwischen Wien-Vindobona und dem Vorfahren von Budapest Aquincum war, sollte mehr als eine Stippvisite wert sein. Ein Vorteil ist auch, dass die meisten Győrer schon wegen der angesiedelten Industrie deutsch sprechen.

