Dass der Kurbetrieb in Hévíz das ganze Jahr über stattfindet, ist ein Gemeinplatz. (Siehe dazu auch unseren Beitrag vom 2. Juli 2009: Unterwegs in Ungarn: Hévíz und Umgebung.) Aber auch so alten Hasen wie ich einer bin, war nicht bekannt, dass der Gast, ob Kurgast oder ’einfacher’ Tourist, seine Freizeit z.B. mit einer Kanufahrt auf dem Hévíz-Kanal  (sportlich aufregend) verbringen kann.  Wie schon aus dem eingangs erfolgten Hinweis auf unseren früheren Hévíz-Beitrag bekannt, erneuert sich das Wasser des Sees alle drei bis dreieinhalb Tage vollständig, weil die Heißwasserquellen in 38-40 m Tiefe so ergiebig sind. Dieses Wasser muss irgendwo abfließen können,  u.zw. durch den urspünglichen Bach, den heutigen Hévíz-Kanal (siehe Schleuse) bis zum Kis-Balaton-Haus, wo das Sumpfbiotop, der natürliche Filter des großen Bruders, des Balaton (Kis-Balaton = Kleiner Balaton) beginnt. Darauf können von Ende November, wenn sich der Seerosenteppich lichtet, bis März Kanufahrten gebucht werden.

Die Schleuse zwischen Hévíz-See und Hévíz-Kanal

Die Fahrt dauert zweieinhalb bis drei Stunden je nach Geschick, Muskelkraft und Erfahrung der im Kanu sitzenden Freizeitkanuten; und sie führt auch durch die im Bild von mir abgelichtete Straßenunterführung. Info und Anmeldung in den Tourinform Büros in Hévíz und Keszthely. Eine Fahrt kostet übrigens 4500 Forint, keine 15 Euro.

Straßenunterführung am Hévíz-KanalUnbedingt erwähnenswert ist, was die Kuren in Hévíz betrifft, dass seit Frühjahr dieses Jahres die Schlammanwendungen auch direkt im See möglich sind; der Schlamm, mit dem sich der Kurgast seine schmerzenden Glieder einschmiert, wird im Schlammbadabschnitt mechanisch unterwasser soweit hochgepresst, dass man sich nur bücken muss, um in die braun-schwarze Masse zu greifen.

Die Geschichte des Sees, von der geologischen Beschaffenheit bis zu Fauna und Flora kann seit Anfang Oktober dieses Jahres nicht mehr nur im Balaton Museum in Keszthely erkundet werden, sondern auch im Haus der Natur, dem Besucherzentrum im Badeort Gyenesdias (siehe Photo). Zielgruppe sind in erster Linie Familien mit Kindern, Schüler, ganze Schulklassen, die die Natur dieses Landstriches mit den Bergzügen von Bakony und Keszthely hautnah, interaktiv, mit Denksport und Spiel erkunden; alles ist ungarisch und englisch beschriftet.  Gerade 200 m entfernt liegt der Imre Festetics-Tiergarten, ein Freigehege mit atochtonen ungarischen Nutztierrassen, u.a. dem Zackelschaf mit den korkenzieherförmigen Hörnern, aber auch den vor Jahrhunderten mitgebrachten und somit als ungarische Rassen geltenden  Merinos, Cigajas und Ciktas (von den von Maria Theresia angesiedelten ’Donauschwaben’ mitgebracht).

Besucherzentrum in Gyenesdiás

In der Umgebung können bequeme und auch kräftezehrende Wanderungen unternommen werden, z.B. bis hinauf auf die Aussichtsplattform des in den Himmel sargförmig ragenden Badacsony Berges. Auch in der kühlen und kalten jahreszeit sind in den Weinbergen am See Keller geöffnet, die sich mit ihren Öffnungszeiten abwechseln, so dass die Wanderung mit einer deftigen Mahlzeit und süffigen Balaton-Weinen gekrönt werden kann, z.B. auf dem Weingut der Familie Laposa im Weinberg von Badacsony, von wo aus einem der Balaton zu Füßen liegt. Wer nicht wandern will, der kann radeln,  seit 2000  rumd und den See. Die Region West-Balaton gilt übrigens als Musterregion, was Radwege, Ausrüstung und Touren (Keszthely Bergtour, Festetics-Kulturtour usw.)  betrifft: 108 Fahrräder, Unterstände, Service.

Meine Wenigkeit und der Cadillac Baujahr 1923Unter den Schmankerl-Angeboten am herbstlich-winterlichen Balaton sei an dieser Stelle noch auf das Cadillac Museum in Keszthely aufmerksam gemacht. Es ist das einzige Markenmuseum in Ungarn, die Privatsammlung Gyula Garamvölgyis, die seit dem 1. Juli 2012 als Museum Oldtimer-Freaks und auch solche, die nicht viel von der Technik verstehen, sich aber für ein Erinnerungsphoto an das Lenkrad des  ältesten Exemplars, einem Cadillac Tourer, Baujahr 1923 (noch mit Holzspeichen) setzen durften (siehe Photo). 13 Oldtimer, alle funktionsfähig, solche, die von Ronald Reagan oder Woody Allan bevorzugt wurden, können in der Kossuth utca 77 bestaunt und bewundert werden. Die Oldtimer fänden reißenden Absatz, allerdings haben sie nur einen ideellen Wert, so dass sich Oldtimer-Sammler mit ihrem Anblick begnügen müssen.