Der stellvertretende Generaldirektor des Ungarischen Tourismusamtes Tamás Glázer bezeichnete Ungarn als eine der populärsten Destinationen in Mitteleuropa. 2014 war ein Rekordjahr und die vorläufigen Zahlen 2015 liegen noch höher, d.h. vielversprechender, und das kann mit Zahlen untermauert werden; ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit und nur als Veranschaulichung: im Juli 2015 stieg die Nächtigungszahl in gewerblichen Unterkünften im Vergleich zu Juli 2014 um 9,5% (1 755 000 ausländische Übernachtungen), die Einnahmen um 19.9 %, wobei Tamás Glázer den Anstieg der deutschen Touristen um 15.7% hervorhob. Erfreulich viele Gäste kamen aus Großbritannien und den USA, gefolgt von Polen, Holländern und Tschechen.
Der Tourismus steuert 9% zum BIP bei, 11,3% der Arbeitnehmer finden ihr Auskommen im Tourismus. Schon deshalb wird der Tourismus als Erfolg Ungarns gehandelt, so dass dem eventuell negativen Image mit Argumenten wie Sicherheit und Gastfreundlichkeit erwidert wird. Die Flüchtlinge? Im Fremdenverkehr spielen sie keine Rolle, so die offizielle Redart. Die klassischen Touristenrouten und Transitzonen sind nicht betroffen. Ja, woraus besteht denn Ungarn? Aus Touristenrouten und dem fernen, unbekannten Rest, dem Rest, der z.B. flächenmäßig viel mehr ausmacht als die Hochburgen des Tourismus? An dieser Stelle sei mir die kritische Bemerkung erlaubt: kommen alle Touristen durch die Luft und werden direkt auf die Inseln der Seligen, z.B. in die bekannten und zurecht beliebten Kurbäder in Westungarn, nach Budapest oder nun an den herbstlichen Balaton befördert? Wer mit dem eigenen Auto oder als Mitglied einer Reisegruppe mit dem Bus, womöglich mit der Bahn anreist, bzw. Ungarn mit diesen Verkehrsmitteln verlässt, der könnte auch Flüchtlinge zu Gesicht bekommen, oder?
Tja, was tut das Ungarische Tourismusamt fürs Ungarn-Image? Promotion, Werbung, Marketing in 37 Ländern in Fremdsprachen; die persönlichen Erfahrungen nicht zu vergessen, denn die Mund-zu-Mund-Propaganda sei die überzeugendste, eine Meinung, der wohl jeder ruhigen Gewissens zustimmen kann.
Der Vorsitzende des Ungarischen Hotel- und Restaurantverbandes (hat 500 Mitglieder) Ákos Niklai schloss sich der Meinung Tamás Glázers an, betonte, dass Hotels, Restaurants, Cafés, Nachtlokale absolut sicher sind. Stornierungen? Die seien zu vernachlässigen gering. Bükfürdő, Sárvár seien zu 100% ausgebucht, so wie immer, und als zahlende Gäste seien auch Migranten willkommen, wenn sie sich ausweisen können, so der Hotelfachmann.
Befremdend war, dass nach den Statements der beiden Offiziellen, sich diese in Englisch und Ungarisch für die Anwesenheit der Presse bedankten und damit die Pressekonferenz für beendet erklärten. Meine Wenigkeit hätte sich zwar um ein Zwiegespräch bemühen können, worauf ich allerdings nicht warten konnte. Ich hätte gerne, einfach coram publico eine Frage auf der Zunge gehabt. Auch Kollegen wunderten sich über die neue Mode bei immer mehr Presse-Events, denn nur zu hören, wie super und sicher die Lage sei genügt nicht. Über die positiven Tourismuszahlen freue ich mich selbstverständlich trotzdem: von Januar bis Ende Juli 5,79 Millionen Gäste, 14,4 Millionen Übernachtungen in gewerblichen Unterkünften usw., usf.
Restaurantverband. Sicherheit, Gastfreundlichkeit, Nächtigungen

