Das Central erlebte in seiner 127-jährigen Geschichte gute und schlechte Zeiten, seine ’hohe Zeit’, wie alle Kaffeehäuser der k-u.-k-Monarchie um die Jahrhundertwende und in den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Nach Dahinvegetieren, Schließung (1949) und Zweckentfremdung (1965 Uni- und Studentenklub) erwarb der Geschäftsmann Imre Somody 1997 das Central. Es sollte wieder ein Treffpunkt von Kultur, Schwerpunkt Literatur, werden. Mit der Wiedereröffnung 2000 war es allerdings nicht getan. Die Gäste, so auch Touristen, kamen nicht von selbst, d.h. für den Betrieb des kostspieligen Hauses reichte nicht, dass Kaffee serviert wurde. Erst seit 2011 geht es mit dem noblen Kaffeehaus (+ Restaurant + Terrasse) wieder aufwärts, und seit Anfang dieses Jahres darf sich das Central endlich wieder eine ’Location’ nennen, wo sich der Gast wohl fühlt.
Tradition & Modernität & Literatur sind die Zeichen der Zeit, die die Gäste, in- und ausländische, zum Eintreten bewegen. Was die Tradition betrifft, sei auf das vom Galeristen Ernst Wastl (seine Galerie liegt gegenüber dem Central) mitkonzipierte Design aufmerksam gemacht. Das Café atmet Literatur, eine Wand schmücken die Porträts der Schriftsteller, Dichter, Literaturkritiker, Redakteure aus der Blütezeit der Kaffeehauskultur, die eben hier ihre Tage, wohl auch Nächte verbrachten, hier schrieben, hier diskutierten, u.a. Frigyes Karinthy (1887-1938), Miklós Radnóti (1909-1944), Mihály Babits (1883–1941), Sándor Márai (1900–89), Attila József (1905–37), Ernő Osvát (1877–1929) und viele andere. Die insgesamt 50 Porträts stellte das Literaturmuseum Pétőfi Ernst Wastl und dem Central kostenlos zur Verfügung. Die anderen Aufnahmen aus Budapest anno erwarb Galerist Ernst Wastl in zäher Arbeit, mit viel, viel Ausdauer von anderen Museen.
Anfang 2014 übernahm die bekannte Kulturmanagerin Anna Juhász, Tochter des Dichters Ferenc Juhász, das Kultur-Regiment im Central. Dass sie seit mehreren Jahren das Kaffeehaus Hadik und auch das New York als Treffpunkt der Kulturschaffenden mit regelmäßen literarischen Abenden, Ausstellungen u.a. Programmen managet, reicht wohl als Garantie, dass auch das Central ein Treffpunkt von Literaten und anderen Künstlern wird, zeitgleich auch den des Ungarischen Nichtkundigen angenehme Unterhaltung bietet: schon jetzt täglich Live-Musik, ab 2015 Jazzkonzerte, thematische Abende werden gestartet mit Stand up, Slam poetry, je einem Dichter oder Schriftsteller gewidmete Programme, im Dezember ein Weihnachtskonzert mit dem Auftritt des Chores der British School Budapest, ein Wohltätigkeitsabend, dessen Einnahmen bedürftigen Kindern zugute kommen werden. Je ein Sonntagvormittag im Oktober (5.), November (9.) und Dezember (7.) wird als Familienprogramm gestaltet, mit Spiel, Märchen und Dias. Vorher sollten sich die Familien das Frühstück und anschließend Mittagessen ebenfalls im Central genehmigen
Tradition & Modernität. Das kennzeichnet auch die neue Speisekarte. Schwerpunkt bleiben ungarische Spezialitäten, etwa als Vorspeise Palatschinken Hortobágy und anschließend eine Leberknödelsuppe usw. Zum Kaffee wählt der Gast aus dem Angebot der Konditoreitheke aus. Und dafür setze sich der Gast, jetzt, wenn ihn die letzten warmen Sonnenstrahlen verwöhnen, auf die ebenfalls neu gestaltete Terrasse, die übrigens im Sommer anläßlich eines Budapester Terrassenwettbewerbes auf sich aufmerksam machte.
Das Central ist nicht teuer und nicht billig, es sind eben die Durchschnittspreise eines Café-Restaurants in der City. Und sollte der Dichter und Schriftsteller, der hoffentlich auch im Central schreiben will, die Zeche nicht begleichen können, dann kann er das mit seinen Werken tun, so wie in alten Zeiten.
Wer mehr über das Centrál Kávéház in Budapest erfahren möchte, der kann das nicht nur via www.centralkavehaz.hu tun, sondern auch den im Haus vorrätigen, monatlich erscheinenden Herald lesen: Central 1887 Herald in Ungarisch und Englisch.

