„Mens sana in corpore sano”, fällt mir ein, wenn es um mentale Gesundheit geht, allerdings betonten die Fachleute vor versammelter Presse, dass es auch umgekehrt stimmt, dass die kranke Seele, die Psyche, den Körper krank werden lässt. Die ungarischen Psychiater, Wissenschaftler und praktizierenden Seelsorger, Universitätsprofessoren treffen sich vom 23. bis 26. Januar in der nordwestungarischen Stadt Győr zu ihrer Jahresversammlung. 1200 Anmeldungen wurden registriert.
Sind das viele oder nicht für ein kleines Land wie Ungarn? Das kann nicht einwandfrei beantwortet werden, denn um nur ein Beispiel zu erwähnen, viele dieser Fachleute verdienen ihr tägliches Brot an drei(!) Arbeitsplätzen und damit zählen sie dreifach.
Im Fokus der diesjährigen Jahrestagung steht das Altern: Alter ohne Krankheit, was ungarisch ein Wortspiel ist: Kor (Alter) Kór (Krankheit) nélkül. Ein einziger Akzent verändert die Bedeutung.
Die moderne Gesellschaft altert, wird immer älter. Das setzt soziale und gesundheitliche Versorgung in wachsendem Maß voraus. Das bedeutet, dass die Menschen zwar länger leben, dieses möglichst gesund erleben wollen. Das bedeutet aber auch, dass, um beim Thema zu bleiben, die Zahl der mental-psychisch Kranken stetig ansteigt. Sie wird sich bis 2050 verdreifachen, 130–150 Millionen weltweit werden unter Demenz leiden, Depressionen und Suchtkrankheiten nicht inbegriffen.
Was tun, um das Leben möglichst lange zu genießen? Die Antwort lautet wie in allen Problemen der Gesundheit: Prävention. Also gesund leben, sich viel bewegen, sich gesund ernähren und das muss schon in der Kindheit und Jugend beginnen.
Natürlich altern und nicht auf anti-aging setzen, so die Fachleute. In Ungarn gibt es 200 000 diagnostizierte psychisch kranke Menschen. Zählt man die betroffenen Familien dazu, sind es eine Million betroffene Menschen. Die mentalen Krankheiten, in erster Linie die Demenzform Alzheimer gilt noch immer ein Stigma. Aus der daraus erwachsenen Isolation müssen die Betroffenen herausgeholt werden. Es geht nicht nur um den Kontakt zum behandelnden Arzt, sondern um das Umfeld. Eine Möglichkeit bieten die, noch wenigen, Alzheimer Cafés, wo sich die Patienten mit ihrer Bezugsperson mit anderen Betroffenen treffen, Informationen austauschen, beraten werden und erkennen, dass sie nicht allein sind.
Eigentlich hätten sich die Fachleute nur beklagen müssen. Ihr Ressort ist unterfinanziert, es fehlt an Fachkräften, weil die Ärzte ins Ausland , vor allem Skandinavien abwandern, weil es viel zu wenig Residenzstellen für junge Medici gibt, weil die Krankheiten der Seele zahlenmäßig als Volkskrankheit eingestuft werden müssten, dieses in Ungarn aber auch bei der letzten Bestandaufnahme versäumt wurde. Weil die Basis der psychiatrischen Behandlung vor Jahrzehnten geschlossen wurde, vor ein paar Wochen die Schließung der psychiatrischen Station in einem Budapester Krankenhaus die Runde machte; vor zwei Jahren generalmodernisiert, nun wegen desolater Zustände (?) geschlossen.
Und trotzdem treffen sich 1200 ’Seelenklempner’ zum Meinungsaustausch in Győr. Der Laie darf sich wundern…
22. Jahrestagung der Ungarischen Psychiatrischen Gesellschaft: 23.-26. Januar 2009, Győr.

