Alle namhaften Verantwortlichen legten sich ins Zeug, vom Sprecher des ungarischen Rettungsdienstes Pál Győrfi, über der Addiktologen, Neurologen, Psychiater und Chefarzt des Vereinigten Zentrums für Psychiatrie und Addiktologie  der Krankenhäzser Szent János und Szent László Dr. Sándor Funk, den Psychiater, Addiktologen, Chefarzt des Institutes für Psychiatrie und Addiktologie Dr. Zsolt Petke bis zu Laien wie dem Komponisten Zoltán Czutor, der Underground-Frontfrau Biborka Bocskor, der Fitness-Spitzensportlerin Henrietta Kővágó und  Márta Pálfalvi seitens des Sponsors – man staune: bei Heineken Hungária für Kommunikation zuständig.

Die Trinkgewohnheiten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten radikal verändert, besonders gefährdet sind dabei junge Leute zwischen 18 und 25 Jahren. Sie finden es nicht in Ordnung, dass zu viel getrunken wird und trotzdem geben 4% der befragten Jungendlichen an, sogar in der Schule alkoholische Getränke konsumiert zu haben.

Als positiv sei erwähnt, dass zu Ostern, nämlich am Ostermontag, wenn die Jungen und Burschen nach altem Volksbrauch ihre weibliche Bekanntschaft – heute eher mit Kölnisch Wasser, früher und auf dem Land aber noch immer mit einem Eimer voll Wasser ’begießen’, damit sie auch ja nicht verwelken, nicht mehr zum  Zuprosten und Trinken der von den Besuchten servierten alkoholischen Getränken animiert werden, nämlich die Kinder. Die Jugendlichen müssen weiter den ganzen Montag lang kräftig mittrinken. 4-500 Fälle pro Jahr werden als Komasäufer registriert.

Bild: Der Spiegel

Schon der Urmensch labte sich an alkoholischen, die Sinne benebelnden Getränken. Wie verhalten sich die Tiere, die zufällig gärendes Fallobst verspeisen? Funde aus der grauen Vergangenheit, von vor 4-5000 Jahren aus Mesopotamien und dem alten Ägypten belegen es, dass dem Alkohol zugesprochen wurde, so der bekannte Addiktologe Dr. Sándor Funk.

Warum trinkt der Mensch eigentlich, stellte er die rhetorische Frage.  Alkohol ist ein Nervengift. Alkohol ist eine Gesellschaftsdroge. Wegen des akuten Hochgefühls, der Erregung  trinkt der junge Mensch quasi als Sport. Der Mensch, so auch der junge, trinkt weil er der Größte ist, sich erwachsen fühlt, um zu imponieren, aber auch gegen die Einsamkeit, um Schwierigkeiten, Unzufriedenheit zu vergessen. Die Gesellschaft, das Umfeld ist gefragt, nicht um zu sagen, dass solltest du nicht tun, sondern um sich selbst zu fragen, was ich tun kann, damit du, der Betroffene sich ändern kann, so der Psychiater Dr. Zsolt Petke.

Einer Studie zufolge haben 2002-2010 88% der befragten 15-Jährigen angegeben, schon alkoholische Getränke konsumiert zu haben. Tendenz steigend. 10% der knapp 10 Millionen Ungarn sind alkoholgefährdet. So sollte der zweite Slogan heißen: Immer in Maßen! In Kenntnis des Maßes, erreichst du dein Glück!, brachte es der Komponist und Belmondo-Sänger Zoltán Czutor auf den Punkt. Wie verheerend die Lebens-, sprich Krankheitsgeschichte des in die Jahre gelangten Trinkers ist, ist nicht Thema dieses Beitrages und auch nicht der von Heineken gesponserten Werbung fürs Maßhalten.

Betrunkene Jugendliche / Bild: Südeutsche Zeitung

Es ist ab ovo beunruhigend, dass die Ungarn mit 11 Liter Alkohol-’Genuss’ pro Jahr die Nummer 4 inEuropa sind, dabei die in den vielen privaten Destillen gebrannten, legal unbesteuerten Wässerchen nicht mitgezählt. Die Ungarn sind eigentlich Weintrinker, trotzdem fließt heutzutage mehr Bier als Wein durch die durstigen (?) Gurgel. Henrietta Kővágó, seit drei Jahren Fitness-Leistungssportlerin, versucht ihre Altersgenossen zur körperlichen Ertüchtigung, zu Bewegung, zu Sport zu motivieren. Wenn du alkoholische Getränke zu dir nimmst, dich so wie sie selbst an eine strenge Diät hälst, steigt dein Cholesterinspiegel, dass ist schlecht für den Muskelaufbau usw. Ja, Sport und Eltern sind gefragt, wenn es um die Trinkgewohnheiten des Nachwuchses geht.

Mit vielen, vielen Zahlen könnte die giftige Wirkung des Alkohols auf den jungen (und natürlich auch älteren) Körper belegt werden. Mit der Werbekampagne in den Medien, vorrangig im Internet unter www.adetoxnembuli.hu , wo sich auch zahlreiche Stars und Sternchen der ungarischen Künstlerlandschaft,  die Vorbilder der Jugend, viele Ehrenamtliche  ins Zeug legen, soll die ungarische Jugend aufgerüttelt, sensibilisiert werden, damit gerade jetzt, Ostern nicht zum ’kleinen Silvester’ werde, sprich degeneriere.