Tamás Szabó trítt ans Mikrofon, mit leiser Stimme und leichtem ungarischen Akzent spricht er von seinem Vater. Szabó ist 1944, mitten im Krieg, in Budapest geboren, die ersten Erinnerungen an den Vater entstammen der Nachkriegizeit. In den ersten Jahren ging es der Familie gut, das Unglück begann 1953, als der Vater in einem stalinistischen Schauprozess beschuldigt wurde, den schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg ermordet zu haben. Zwar war das blanker Unsinn, aber für den Vater, Károly Szabó, war die Anlkage lebensgefährlich.


Die Auszeichnung wird von Israel an Menschen vergeben, die ihr Leben für Juden riskierten

Stalins Tod im selben Jahr rettete Szabó womöglich das Leben. Später, erzählt der Sohn, hat sich Károly Szabó dafür eingesetzt, dass ein Denkmal Wallenbergs in Budapest aufgestellt werde. Die ungarische Staatssicherheit hat das zunächst verhindert. Es dauerte 50 Jahre, bis das Denk­mal endlich errichtet wurde – Károly Sza­bó hat das nicht mehr erlebt. Er starb im Jahr 1964.

Wallenberg, der mittels schwedischen Schutzpässen und der Anmietung von Schutzhäusem viele ungarische Juden vor dem sicheren Tod in nationalsozialistischen Konzentrationslagern bewahrt hat, und Károly Szabó standen in enger Verbindung. Von 1944 an war der 1916 geborene Szabó in der schwedischen Botschaft in Budapest angestellt. Beinahe zwangsläufig kam er dort in Kontakt mit Raoul Wal­lenberg. Szabó war keiner, der wegsah, wenn die Juden in Budapest von Nazis und ihren ungarischen Verbündeten drangsaliert und deportiert wurden. Er wollte den Verfolgten helfen, soweit das möglich war. Szabó engagierte sich in Wallenbergs Hilfsnetzwerk für verfolgte Juden. Eine Aktion sticht besonders hervor: Am 8. Januar 1945 gelang esKároly Szabóund einigen anderen Helfem, eine Gruppe von Juden aus den Händen der faschistischen Pfeilkreuzler zu befreien. Sie brachten die 166 Juden in der schwedischen Botschaft in Sicherheit und retteten ihnen so das Leben.

Szabós Sohn Tamás und dessen Familie leben heute in München. Und so kam es, dass Károly Szabó am Montag in der Landeshauptstadt, im Janusz-Korczak-Haus an der Sonnenstraße, posthum mit der höchsten Auszeichnung geehrt wurde, die der Staat Israel an Nichtjuden zu vergeben hatTamás Szabónahm anstelle seines Vaters die Medaille entgegen, mit welcher die nationale israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem den Retter so vieler ungarischer Juden ausgezeichnet hat. Károly Szab óträgt nun posthum den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“.

Diesen Titel verleiht Yad Vashem an nichtjüdische Menschen, die während des Holo­caust unter Gefahr für das eigene Leben versuchten, Juden zu retten und dafür keine Gegenieistung erhielten.

Der Sohn des Geehrten lebt mit seiner Familie heute in München

Szabó gehörte zu „einer winzigen Minderheit“ die moralisch verantwortlich handelte, während andere wegsahen, sagte Sandra Witte von der israelischen Bot­schaft in Berlin in ihrer Laudatio bei der Feierstunde. Er handelte menschlich in einer Zeit, in der Menschiichkeit als Verbrechen verfolgt werden konnte. Arik Rav-On, der Repräsentant von Yad Vashem, nahm den Gedankenauf und fragte in die Runde, aus welchen Gründen einige Menschen wäh­rend der NS-Zeit ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um Juden zu helfen: „Warum haben sie das gemacht?” Rav-On ließ die Frage unbeantwortet. Ebenso seine zweite: Unter den rund 24 800 „Gerechten un­ter den Völkern” sind 525 Deutsche – „sind das viele oder wenige?“