Ja, ja die Wurzeln des Tangos reichen bis ins 13. Jahrhundert. Wer hätte das gedacht, abgesehen natürlich von den Profis, den Leuten vom Fach, Künstlern und z.B. auch Sylvia Leidemann (Argentinierin mit ungarischen Wurzeln), die an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften für ihre Inauguralarbeit zum Thema Tango forschte. Ausgerechnet in Ungarn? Ja, weil hier genügend Dokumente archiviert sind, die das Hin und Her der Entwicklung dieses Tanzes zwischen dem Alten und Neuen Kontinent belegen. Die sakrale Musik im Spanien des 13. Jahrhunderts, von König Alfonso el Sabio, dem Weisen gefördert und selbst parktiziert, so die Cantigas,  wurde mit der Zeit mit weltlichem Text, mit Liebesbekenntnissen ausgestattet, wie das auch in der Volksmusik vieler europäischer Länder geschehen ist. Es vollzog sich die Psalmodierung der Kirchenmusik. Und dann entdeckten und eroberten die Spanier Amerika.

Die katholische Kirche setzte bei der Christianisierung auch ihre Musik ein, die je nach Ort, so in Mittelamerika auf Kuba bzw. in Südamerika, vor allem in Argentinien, mit der jeweiligen Volksmusik verscmolz. Vom Ende des 19. Jahrhunderts an eroberte das musikalische Produkt dieser vielschichtigen Verschmelzung als Tango die Welt. Tango wurde und wird getanzt und gesungen. Dass die Habanera Bizet inspirierte (man höre Carmen) oder auch die itanienische Oper (Verdi: Don Carlos) vom Tango infiziert wurde, ist bekannt.

Und wo tanzt und singt man den Tango? Auf der Milonga, der Tanzveranstaltung dieses Namens sowie des frisch-raschen Tangos genannt ebenfalls Milonga. Aber auch der langsame Tango Valce wird überall getanzt, auf öffentlichen Plätzen, an Straßenkreuzungen, in ruhigen, stillen Gassen.  Tango ist der Tanz, in dem der männliche Part seine Partnerin führt, allerdings nicht untergeordnet, wie Judit Somos  betont, sondern gemeinsam. Sie ’ertanzte’ sich mit Lucas Molina Cazcón die Tango-WM für Argentinien. Ihre Gäste am 16. Juli in Óbuda sind u.a.  Leandro Palou, Maria Tsiatsiani, Endre Szeghalmi und Andrea Serbán. Genauso international sind die Namen auf der Teilnehmerliste, vom ungarischen Opernsänger László Domahidy, dem Bandoneokünstler Alejandro Szabo (Buenos Aires-Madrid) bis zum Cantigas Quartett, La Movida (Kuba) und vielen anderen mehr. Übrigens betonte Judit Somos auf Anfrage auch, dass die schwüle Erotik nur in Europa als Markenzeichen des Tangos gilt. So so, wieder etwas dazugelernt.

Die Entwicklung des Tangos vom 13. Jahrhundert bis zu Carlos Gardel, Annibal Troilo und Artor Piazzolla wird für das Publikum am 16. Juli lebendig. Auf meine ungläuige Frage, ob den die Tango Story tatsächlich nur ein einziges Mal aufgeführt wird, antwortete László Domahidy  (leider) mit Ja. Vorläufig. Vielleicht kann das Programm in den folgenden Jahren, wenn auch nur gekürzt, aufgeführt werden. Dabei geht es vorrangig ums liebe Geld, denn die Stars, die in Budapest auftreten, sind Gagen gewöhnt, wobei eine einzige das ganze Budget der Produktion verschlingen würde. Es gibt natürlich Sponsoren, aber viel zu wenige und zu bescheidene.

Die eingangs erwähnte Sylvia Leidemann ist die künstlerische Beraterin der Tango Story, wobei oberstes Gebot die Authentizität und nicht der Show-Effekt ist.

Samstag, 16. Juli, 20 Uhr Tango Story im Zichy udvar in Óbuda.

Ein klassischer Tango in zwei Varianten:

Variant 1

Variant 2