Wie in jedem Jahr Ende Mai wurde das Landesfinale von Jugend debattiert international (JDI) im noblen Spiegelsaal an der Deutschsprachigen Andrássy Universität Budapest ausgetragen. Vier FinalistInnen – Enikő Czentnár, ELTE Trefort Gymnasium, Budapest; Ella Fazekas, Deutsches Nationalitätengymnasium, Budapest; Gergely Jakubovics, Karinthy Gymnasium, Budapest; László Kavalecz, DE Kossuth Gymnasium, Debrecen – hatten sich unter 450 Schülern aus 16 Gymnasien ungarnweit dafür qualifiziert. Ungarische Schulen nehmen seit 2010 am für Deutsch als Fremdsprache lernende GymnasiastInnen in Mittel-Osteuropa ausgeschriebenen Wettbewerb teil. Ihre „Konkurrenten“ kommen aus Ländern der Region, aus Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Russland, der Slowakei, Slowenien, Tschechien, der Ukraine und Weißrussland. (Bild: Gergely Jakubovics und Ella Fazekas; Foto: Tamás Selmeczi)

Wir müssen miteinander reden, in 20 Jahren könnte jeder zuhause vor seinem PC sitzen und „kommunizieren“, sich in Abkürzungen à la SMS ausdrücken. Wir vereinsamen, unsere Sprache/n würden ärmer, einfacher werden. Schon im Mittelalter lebten die Mönche in Klosterzellen für zwei-drei Personen. Weshalb? Um miteinander zu reden, zu kommunizieren, so Prof. Dietmar Meyer, Rektor der Andrássy Universität, der die Finale-Anwesenden begrüßte. Ergo: das persönliche Gespräch darf nicht obsolet werden. Wir müssen debattieren, argumentieren, weil, „die Demokratie fähige Bürger braucht, die ihre Meinung sagen, und das auch in Fremdsprachen,” so die Schirmherrin des JDF-Finales Dr. Zita Horváth, Unterstaatssekretärin für Hochschulwesen im Ministerium für Humanressourcen. Nächstes Jahr werden 100 000 Schüler die Möglichkeit haben, ihre Fremdsprachenkenntnisse auf Staatskosten im Ausland zu untermauern.

Ihre rhetorischen Fähig- und Fertigkeiten mussten die vier Finalisten zum Thema „Sollen in Ungarn mehr Filme in der Originalsprache gezeigt werden?” unter Beweis stellen. Die vier eingangs namentlich aufgezählten Finalisten waren für Pro und Contra ausgelost worden und hätten, ohne ihre persönliche Einstellung preiszugeben, für das Ja bzw. das Nein zum Film-Originalton argumentiert: Debattiert wird in insgesamt 15 Minuten: der zweiminütigen Einleitung, der zwölfminütigen Debatte und der einminütigen Schlussrede.

Unter den Argumenten seien nur einige zufällig herausgegriffen: Originalton und Untertitel fördern das Erlernen der Fremdsprache, für die Wirtschaft sind Fremdsprachenkenntnisse besonders wichtig. Dafür sollten am Wochenende mehr oder alle Filme nur im Originalton gesendet, die Kinokarten preisgünstiger angeboten werden. Und contra:  Fremdsprachen zu lernen, gehört in die Schule. Sehen und gleichzeitig lesen ist eine Herausforderung, die auf Kosten der Kunst geschieht, und Film ist eine Kunst. Nur O-Ton sei ein Eingriff in die persönliche Freiheit, ganz davon abgesehen, wie viele funktionelle Analphabeten es in Ungarn gibt…

Nach der Debatte wurden die Finalisten doch gefragt, ob sie sich mit ihrer ausgelosten Position identifizieren konnten. Das Ergebnis fiel zwei zu zwei aus, Gergely Jakubovics und Enikő Czentnár argumentierten überzeugt für den Film im Originalton, Enikő meinte noch, dass die Contra-Position ab ovo reizvoller sei als das Pro.

Die Jury sprach nach Beratung hinter geschlossenen Türen ihr Urteil:

Platz 4 László Kavalecz (Er solle u.a. darauf achten, nicht nur über Maßnahmen zu sprechen, sondern mit neuen Aspekten argumentieren.)

Platz 3 Enikő Czentnár, die, so die Jury, ihre Argumente nicht vermischen dürfe.

Platz 2 Gergely Jakubovics, der in seiner Argumentation für O-Ton wegen  Schule, Wirtschaft und deshalb Kino den Überblick nicht verlieren dürfe.

Platz 1 Ella Fazekas, deren besondere Gesprächsfähigkeit hervorgehoben wurde.

Ella und Gergely werden Ungarn im Herbst bei Jugend debattiert international – diesmal  in Budapest vertreten.

(Über JDI siehe auch unsere Beiträge aus den Vorjahren, 2012, 2013, 2016 und zweimal 2018: https://infovilag.hu/2018/05/30/jugend-debattiert-international-2018-gut-auf-deutsch, sowie https://infovilag.hu/2018/09/20/finale-von-jugend-debattiert-international-ukrainischer-sieger)

PS: Meine persönliche Meinung zu Filmen im O-Ton ist das absolute Pro. In Rumänien aufgewachsen, wurde (wird?) überhaupt nicht synchronisiert. Die Leute gehen trotzdem ins Kino und sitzen vor dem Fernseher: sie sehen und lesen gleichzeitig. Übung macht den Meister! Rumänisch als Landessprache erleichtert natürlich das Verstehen von Ialienisch, Frazösisch, Deutsch, Englisch usw.